Wiener Melange: Kunst, KI & Kitsch
Die Werkserie Eh scho im Museumsshop entstand während der Atelierresidenz in Wien und setzt sich mit Ikonen der österreichischen Kunstgeschichte auseinander. Die Arbeiten basieren nicht auf den Originalwerken, sondern auf deren kommerziellen Reproduktionen – Merchandise-Produkten, wie sie in Museumsshops zu finden sind. Diese vorgefertigten Bildwelten werden mithilfe von KI-Tools weiterverarbeitet und in eigenständige Werke überführt.
Dabei stellen sich Fragen nach Autorschaft, Originalität und kultureller Wertigkeit: Wie viel des Ursprungs bleibt im vielschichtigen Remix erhalten? Wer ist Urheber*in eines Werks, das auf mehreren Stufen der Reproduktion beruht? Zugleich schwingt eine subtile Institutionskritik mit – persönliche Vorlieben werden bewusst zurückgestellt, da ausschließlich verarbeitet wird, wovon es Merchandise gibt, ungeachtet ästhetischer oder ideologischer Präferenzen gegenüber den historischen Vorlagen.
Die Regeln der Kunst
Für die Erstellung der Werkserie Eh scho im Museumsshop wurden klare Regeln festgelegt:
1. Beschränkung des Quellenmaterials:
Dieses Projekt beginnt nicht beim Originalkunstwerk, sondern bei seiner Reproduktion: bei den Postkarten, Tassen, Taschen und Objekten, die in Souvenir- und Museumsshops verkauft werden. Diese Gegenstände sind kulturelle Abbilder, Alltagsversionen großer Kunst – sie sind Kopien und zugleich eigenständige Artefakte. Es werden ausschließlich Reproduktionen herangezogen, die österreichische Kunstschaffende betreffen, welche derzeit oder in der Vergangenheit in den Beständen Wiener Museen ausgestellt wurden. Diese Produkte werden entweder eingescannt oder fotografisch erfasst und bilden somit den „Input“ für die weitere digitale Bearbeitung.
2. Digitale Transformation:
Die Verarbeitung des Ausgangsmaterials erfolgt mittels diverser KI-gestützter Anwendungen (u. a. Photoshop AI Plugin, Mage.space, Mashy). Dabei wird der Prompt-Eingabeprozess so konzipiert, dass der algorithmischen Eigeninterpretation größtmöglicher Freiraum eingeräumt wird. Die verwendeten Kommandos bleiben bewusst diffus und unspezifisch — etwa „extend“, „expand“, „reorganise“, „add object“, „melt“, „combine“ — um ein hohes Maß an autonomer Bildgenerierung durch die KI zu provozieren und die maschinelle Kreativität in den Vordergrund zu rücken. Der so entstehende Remix ist weder als Hommage noch als Kritik an der Kunst selbst zu verstehen. Vielmehr wurden die ausgewählten Merchandise-Produkte danach ausgesucht, welches Ausgangsmaterial das spannendste und unerwartetste Ergebnis im weiteren Prozess der KI- gestützten Bearbeitung versprach.
3. Rückführung ins Analoge:
Die im digitalen Raum generierten Bildresultate werden abschließend in die materielle Sphäre überführt, etwa durch hochwertigen Print oder 3D-Druck. Auf diese Weise erfahren die digital transformierten Artefakte eine Rückbindung an den physischen Raum und schließen so den Kreislauf zwischen musealer Reproduktion, KI-gestützter Bearbeitung und analoger Manifestation.
